Sendung,
86 MIN

#28: The Revenant / Louder Than Bombs

Januar 15, 2016


Inhalt

Lässt uns THE REVENANT kalt oder finden wir ihn bärenstark? Außerdem versuchen wir, unsere verschiedenen Auffassungen zu Joachim Triers neuen Film LOUDER THAN BOMBS verständlich zu machen.

Für Feedback oder Fragen schreibt eine Mail an feedback@longtake.de. Wir freuen uns sehr über jegliches Feedback via Mail, Kommentarfunktion oder Facebook und Twitter (@longtakede) und auch über jegliche andersartige Unterstützung, vielen Dank für’s Zuhören!

An den Mikrofonen:
Johannes (@joukoda)
Lucas B. (@Kinomensch)
Lukas M. (@cinedrifter)

(Ausschnitte aus den Filmen unterliegen dem Copyright des entsprechenden Filmverleihs und werden aus rein journalistischer Intention unkommerziell genutzt.)

Shownotes

9 Kommentare

  1. PandaVegetto sagt:

    Der Hass von Lucas für Iñárritu ist sehr unterhaltsam, so ganz nachvollziehen kann ich ihn aber nicht bezogen auf seine anderen Filme. Ich steh total auf Birdman und finde Biutiful und 21 Gramm sind gute Filme.

    Ich würde The Revenant 4/5 geben, 3,5 wäre aber auch noch eine Option. Er ist inhaltlich wirklich leer und widersprüchlich. DiCaprio hat mir in diversen Filmen besser gefallen, ob jetzt Aviator, J. Edgar, Django Unchaied oder The Wolf of Wall Street. Ich würde es ein wenig lustig finden, wenn Eddie Redmayne dieses Jahr den Oscar gewinnt. Die Bisonherde sieht wirklich schlimm aus, der Bär nicht gut und den Sturz mit dem Pferd fand ich auch etwas lächerlich.

    Louder Than Bombs habe ich wegen euch zwar schon der Watchlist, ich brauche aber gerade nicht noch mehr Kinofilme.
    Ich hatte die Möglichkeit letzte Woche zu einer Vorpremiere zu gehen von Die dunkle Seite des Mondes, mit Regisseur, Moritz Bleibtreu und Martin Suter. Aber nur um Moritz Bleibtreu zu beschimpfen, wollte ich den Film nicht sehen.

    Noch eine Frage zum Stichwort Screener, ist das eine Alternative zum Kino für euch? Ich möchte ja keine Namen nennen, aber jemand von euch hat The Revenant, The Hateful Eight und Creed schon vor Weihnachten gesehen. ^^ Auf diversen Filmportalen im Netz kann man ja sehen, was gerade so aktuell ist.

    Facebook ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit um neue Leute anzusprechen, auch wenn die vielleicht nicht alle zu eurer Zielgruppe gehören. Einfach mal alle Facebook Freunde einladen, oder zwingen, eure Seite zu liken. ^^

    1. „21 Grams“ ist für mich schon durch die seltsame Seelen-Prämisse unerträglich, auch Arriagas „alles-ist-Verbunden“-Drehbücher nerven mich leider immer kolossal. Bei „Biutiful“ sind meine Gefühle gemischt: Ich mag die Stimmung und Javier Bardem liefert wirklich eine Karriere-Bestleistung, aber Vieles ist trotz der metaphorischer Verkleisterung einfach zu plump für mich.

      Ich benutze manchmal tatsächliche Screener – also solche, die ich vom jeweiligen Verleiher bekommen habe. Online geleakte sind natürlich keine Option und ich glaube keiner im Podcast würde jemals behaupten, dass sie auch nur ansatzweise die Kinoerfahrung ersetzen könnten.

  2. Paul sagt:

    Puh, das war anstrengend.
    Ich find es immer extrem lustig wenn Filmkritiker ihren Hass auf einen spezifischen Regisseur rauslassen müssen, weil sie anscheinend so frustriert darüber sind, dass er so viel Anerkennung bekommt. Das kennt man von Christopher Nolan, und in letzter Zeit sehr oft zu Iñárritu. Ist ja ok, wenn man seine Filme nicht mag aber diese Aufregung muss man echt nicht verstehen. Ich finde auch die Filme von Michael Bay scheiße, aber deswegen beleidige ich ihn nicht. Wenn hier einer der Lukasse Iñárritu als Hochstapler beschimpft, ist das schon echt daneben.

    kurz noch zu THE REVENANT: für mich eine 8/10
    Sicher nicht das alles überstrahlende Meisterwerk das Birdman war, aber doch ein sehr guter Film.

    1. Johannes sagt:

      Ich denke, Lucas hat versucht, aus unserem Podcast Kunst zu machen, indem er die Anstrengung, die er bei The Revenant im Kino empfunden hat, für unsere Hörer im Podcast repliziert. Das ist mal Journalismus! 😛 Er hat aber auch schon eingeräumt, dass sein Fazit vielleicht etwas hart war – im Sinne der Unterhaltung zu überspitzt. Allerdings schätzen wir es schon sehr, jemanden wie ihn in der Runde zu haben, der seine Meinung leidenschaftlich vertritt und klar äußert. Ich finde, dass er unseren Podcast damit unfassbar bereichert, auch wenn man mal anderer Meinung ist (The Martian *hust*).

      Ansonsten freuen wir uns natürlich alle über jeden, der mit einem Film (sei es selbst ein Bay Film) im Kino Spaß hat oder in irgendeiner Form von einem Film berührt wird, das wollen wir keinem Absprechen. Aber nochmal zu The Revenant: Was hat dir denn an dem Film am besten gefallen?

    2. Ich finde, auch zugespitzte Meinungen haben durchaus eine Daseinsberechtigung. Wenn man bei Filmkritik überhaupt keine Leidenschaft empfindet, kann man es auch gleich sein lassen. Natürlich, gerade beim Fazit bin ich vielleicht ein wenig in eine „Rolle“ verfallen, das war mir im nachhinein auch zuviel, aber das meiste würde ich inhaltlich absolut so unterstreichen.

      Auch bei der Bezeichnung „Hochstapler“ würde ich bleiben – man sollte sie am ehesten als Ersatz für die Formulierung „prätentiös“ sehen. Iñárritu ist gut darin, Filme zu schaffen, die bedeutsam wirken, es aber nicht sind; Filme mit großem Kunst- und Formwillen, die zu keinem Zeitpunkt so klar (oder unklar) sind, wie der Regisseur es gerne hätte.

      Mein Urteil ist vielleicht etwas hart formuliert, aber in diesem Fall absolut gerecht. In welchem konkreten Punkt würdest du widersprechen wollen? Ich freue mich natürlich über andere Meinungen – dafür machen wir den Podcast ja. Jeder Beitrag ist als Anfang, nicht als Ende einer Diskussion gedacht.

      1. PAUL sagt:

        Prätentiös ist genau so schlimm. Für mich ist „prätentiös“ im Gegensatz zu „scheiße“ kein Wort dass in einer Filmbesprechung auftauchen sollte. Denn es impliziert, dass dein Eindruck, dass der Film nicht bedeutsam ist, es aber versucht zu sein, allgemeingültig und wahr ist. Das es eigentlich jeder Mensch erkennen müsste. Es ist aber eben nur dein persönlicher Eindruck. Für mich kann der Film hingegen sehr bedeutsam sein. Und auch der Regisseur wird sicherlich von seiner Bedeutsamkeit überzeugt sein. Prätentiös impliziert aber, dass er eigentlich wissen müsste, dass das alles Lug & Trug ist. Das er ein Schummler ist. Einen schlimmeren Vorwurf kann man einem Regisseur nicht machen. Wenn du ihm sagst, dass sein Film schlecht ist -> völlig ok, damit muss jeder klarkommen. Prätentiös hingegen – schwierig. Ich finde dieses Wort einfach nur furchtbar.

        1. Du hast Recht: Das Wort „prätentiös“ wird oft sehr unglücklich eingesetzt, es ersetzt oft ein detaillierteres Urteil. In der Regel versuche ich deshalb, es zu vermeiden.

          Das Bild des „Hochstaplers“ hingegen ist ein Ersatz, aber kein gleichbedeutender. Die Rollen des Regisseurs und die des Verkäufers (finanziell und bzgl. der Überzeugungskraft) laufen darin zusammen. Bis zu einem gewissen Grad ist doch auch jeder Regisseur ein Hochstapler, Filme sind immer eine Art von Betrug.

          Natürlich ist Iñárritu von sich selbst und der Qualität seines Films überzeugt. Das ist auch sein gutes Recht. Wahrscheinlich ist er auch privat ein netter Mensch, was hier natürlich keine Rolle spielen sollte.

          Nur: Ist (um ein weiteres Bild zu bedienen) der Verkäufer von wirkungslosen „Zaubertränken“, der an ihre Wirkung fest glaubt, nicht immer noch ein Betrüger? Unwissen schützt vor Strafe nicht und die Vorstufe zum Fremdbetrug ist immer der Selbstbetrug. Kann nicht auch eine Erkenntnis darin liegen, den Placebo-Charakter eines Kunstwerks zu benennen, als Diskussionsgrundlage? Autorenintention und Textintention gehen oft weit auseinander – ein Film könnte „prätentiös“ sein, ohne dass der jeweilige Regisseur es ist. Um eine persönliche Beleidigung geht es mir hier natürlich nicht, zuhören wird der vielbeschäftigte Mann wohl ohnehin nicht.

          Ich glaube, dass gewisse Teile der Filmwirkung (ob das dem Regisseur bewusst ist oder nicht) auf einen Effekt außerhalb des jeweiligen Textes ausgelegt sind. „The Revenant“ verfolgt eine Überwältigungsstrategie, in der manche Formentscheidungen nahezu Selbstzweck sind. Auf mich wirken Iñárritus Filme in dieser Hinsicht oft sehr kalkuliert und berechnend. Wie ein Musikstück, das besonders Komplexe Passagen enthält, die sich jedoch nicht stimmig ins Gesamtbild fügen. Natürlich schwingt bei mir ein Vorwurf der Unaufrichtigkeit mit, vielleicht auch einer der cinematographischen Kraftmeierei, da kann man anderer Meinung sein. Iñárritus Filme enthalten große Gesten und handwerklich Virtuoses, viele davon erscheinen mir keinen anderen Zweck zu haben, als Menschen zu beeindrucken. Ist Extremsport Kunst, oder Athletik? Manchmal bestimmt, aber nicht automatisch.

          Der Hochstapler nimmt eine Rolle an, um sich Vorteile zu verschaffen, bei Iñárritu ist es die des (wie auch immer verstandenen) Künstlers. Mögliche Ziele wären dabei dann Preise und Anerkennung. Kenne ich seine genauen Absichten, seine tiefsten, innersten Gedanken? Nein, natürlich nicht. Ich kenne die Filme. Ich werfe ihm nur im Rahmen seiner Rolle als Regisseur vor, ein Hochstapler zu sein.

          Und ja: Ästhetik ist natürlich etwas zutiefst subjektives. Im Rahmen einer Diskussion gebe ich meine Meinung wieder. Was auch sonst? Wäre es nicht albern, wenn ich permanent darauf hinweisen müsste, dass es sich dabei um eine Meinung handelt? Wieso das Offensichtliche auch noch aussprechen? Man kann sich hinter dem Wort „Meinung“ auch verstecken, um Haltung zu vermeiden, sich von Positionen zu distanzieren („Ist ja nur meine Meinung. Agree to disagree. Muss ja jeder selbst wissen.“

          Um zu zitieren: Filmkritik braucht Haltung, denn sie vermeidet Starrsinn. Wieso sollte ich etwas sagen, von dem ich nicht überzeugt bin? Ich kann meinen Standpunkt wechseln, aber nur wenn ich einen habe. Man kann mich mit großer Sicherheit vom Gegenteil überzeugen (ich mag ja sogar einiges an Iñárritu -Filmen, sogar an „The Revenant“). Warum genau Innaritu eben kein Hochstapler ist hast du mir bisher leider noch nicht so richtig erklärt.
          Mich freut aber die Diskussion und ich denke, ich werde mit solchen Begriffen in Zukunft ein wenig vorsichtiger umgehen. Hat dir den der Teil zu „Louder than Bombs“ besser gefallen oder war ich so anstrengend, dass du ausgeschaltet hast?

          1. PAUL sagt:

            Dem Großteil deiner Ausführungen kann ich zustimmen. Ich würde nur ein etwas anderes Fazit ziehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Film sehr berechnend ist und viel „nur“ darauf ausgelegt ist Menschen zu beeindrucken. Für dich scheint das die „Hochstaplerei“ auszumachen. Für mich ist das eine völlig legitime Herangehensweise an einen Film. Und ich will als Zuschauer auch von einem Film beeindruckt werden. Um wieder zurück zu den Zaubertränken zu kommen – Es gibt im Film keine eindeutige definierte „richtige“ Medizin, die sich z.B. von einem homöpathischen Mittel unterscheiden würde. Diese Art von Logik ist auf Filme nicht anwendbar. Es gibt nicht die eine richtige Medizin die bei jedem Zuschauer die „Heilung“ auslösen würde. Das was du als Hochstaplerei bezeichnest, ist für mich ein völlig legitimer Ansatz für einen Regisseur. Deswegen verstehe ich diesen Vorwurf nicht.

          2. PAUL sagt:

            Zum Podcast: Hab vorerst ausgeschaltet, werde aber die noch ausstehenden Minuten noch nachholen.

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