Sendung,
79 MIN

#36: Raum / Grüße aus Fukushima / Zoomania

März 20, 2016
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Diese Woche befreien sich unsere Gefühle aus der Geiselhaft unserer gekünstelten Coolness wenn wir über ‚Raum‘ sprechen (kleine Spoilerwarnung!). Außerdem empfangen wir ‚Grüße aus Fukushima‘ von Doris Dörrie. Als Sahnehäubchen gibt es einige Gedanken zu ‚Zoomania‘.

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An den Mikrofonen:
Johannes (@joukoda)
Lucas B. (@Kinomensch)
Lukas M. (@cinedrifter)

(Ausschnitte aus den Filmen unterliegen dem Copyright des entsprechenden Filmverleihs und werden aus rein journalistischer Intention unkommerziell genutzt.)

Shownotes
  • 0:00

    Begrüßung & iTunes Rezension

  • 3:15

    Filmdiskussion (leichte Spoilerwarnung): Raum

  • 38:53

    Filmdiskussion: Grüße aus Fukushima

  • 1:03:09

    Filmdiskussion: Zoomania (Zootopia)

  • 1:15:12

    Verabschiedung + Filme der nächsten Woche

11 Kommentare

  1. Kamil sagt:

    Kein Wunder, dass Lucas B. bei ‚Room‘ nicht alllzu emotional mitgerissen war. Wahrscheinlich hat er ihn schlicht nicht verstanden und fand ihn deswegen scheiße.

    Aber im Ernst: ich musste ‚Room‘ nach dem Anschauen zu meiner neuen Nummer 1 des Jahres 2015 (laut internationalen Release-Daten) krönen. Ihr habt es auch im Cast angesprochen, aber besonders gefiel mir, dass der Film trotz seiner schwer im Magen liegenden Thematik eine gewisse Unschuld ausstrahlt, weil er eben die Perspektive des kleinen Jacks einnimmt, die ich auch allgemein sehr stark gespürt habe. Sich als Erwachsener in das Weltbild eines Kindes hineinzufühlen, ist ohnehin immer ein interessantes und oftmals paradoxes Ungleichgewicht, dessen Spannung durch diese furchtbare uns glücklicherweise (emotional) unbekannte Situation nur potenziert wird. Mich hat der Film tatsächlich auch sehr an ‚Dogtooth‘ erinnert und mir wieder ins Gedächtnis gerufen, welchen maßgeblichen Einfluss die Eltern dabei haben, das Weltbild ihres Kindes zu prägen und ihnen einen Model zu bieten, das wenn konsequent vorgelebt, diese als Selbstverständlichkeit annehmen. Gerade diese Selbstverständlichkeit mag von außen in bestimmten Situationen als gewisser Trost daherkommen, birgt aber doch auch eine angsteinflößende Macht mit sich.
    Insofern mochte ich die Art der Perspektiven-Einnehmung der Kamera und wie genug sie in der Lage war, den Raum darzustellen. Gerade wenn ich an die letzte Szene und den perspektivischen Vergleich am Ende denke, so musste ich da kurz den Atem anhalten – für mich wirklich sehr effektiv. Und auch ansonsten gefiel mir, wie ihr richtig aufgezeigt hat, wie sich der Film geöffnet hat und seine Kontraste eingesetzt hat.

    So viel erstmal zur rationalen Abhandlung. Ihr merkt schon, dass ich allein deswegen dem Film gegenüber großen Respekt zolle und DANN kommt aber noch hinzu, dass er mich emotional komplett zerstört hat. Ich bin in seinen Spannungsmomenten völlig mitgegangen, habe die Leinwand am liebsten anschreien wollen und war mehrmals zu Tränen gerührt, die teilweise auch aus nur kleinen aber dafür umso bedeutungsvolleren Gesten erwachsen sind. Mich hat der Film also offensichtlich eine Ebene weiter gepackt als euch und ich würde ihn auch für mich persönlich als einen der wenigen 5 Sterne-Filme des Jahres 2015 ansehen!

    Ansonsten kann ich mich wohl glücklich schätzen, dass ich, als mich meine Mitbewohnerin gefragt hatte, ob wir uns nicht ‚Grüße aus Fukushima‘ anschauen wollen, gerade keine Zeit hatte. So hat mir die knappe halbe Stunde völlig gereicht, wie ihr auf konstruktiv-destruktive Weise diesen Film kaputt geredet habt 😀 Das war wohl mehr Unterhaltung, als mir der Film je hätte bieten können!

    1. Johannes sagt:

      Erstmal freut es mich, dass dich ‚Raum‘ so mitgerissen hat. So sollte Kino sein. Allerdings bleiben für mich nach deinen Ausführungen zwei essentielle Fragen offen:

      1. Ist wirklich niemandem außer mir aufgefallen, wie unrealistische diese Polizisten aufgetreten sind?
      2. Was hielt denn deine Mitbewohnerin nun von ‚Grüße aus Fukushima‘? Konnte sie dem Film etwas abgewinnen und wenn ja, was genau?

      PS: Auch wenn die letzte Szene von Raum für mich jetzt nicht überraschend kam, empfand ich sie als schönen Schlusspunkt für den Film. Perspektivisch genau richtig zitiert die Kamera ein Phänomen, das jeder von uns nachvollziehen kann: wenn man an Orte seiner Kindheit / Vergangenheit zurückkehrt und feststellen muss, wie viel größer sich die Erinnerungen an diese Orte im Vergleich zur Realität doch angefühlt haben.

      1. PandaVegetto sagt:

        Sind Polizisten nicht immer unrealistisch dargestellt?
        Der Mann war übertrieben desinteressiert, die Frau kannte sich gut in der Gegend aus und mag wohl ihren Job.

        1. Johannes sagt:

          Ja, aber die Paarung der Gegensätze war eben auch so lustig. Auch äußerlich (afro-amerikanische Frau & dicker weißer Mann) waren die beiden das perfekte ungleiche Paar.

  2. PandaVegetto sagt:

    Raum habe ich 3,5 von 5 gegeben.
    Die eine Szene mit William H. Macy hat mich emotional stärker erreicht als Brie Larson im ganzen Film. Ich mag sie nicht wirklich, ich mag die Rolle nicht und ich kann mit dem Setting „Im Keller“ wenig anfangen.
    Jacob Tremblay fand ich richtig klasse und überzeugend. Es ist ein gut inszeniertes Drama, das trotz seiner Geschichte für mich doch etwas in die Richtung Feel Good geht. Die erste Filmhälfte fand ich auch stärker.

    Grüße aus Fukushima hätte ich letzte Woche sogar mit Frau Dörrie im Kino sehen können, da habe ich mir wohl einiges erspart.
    Zootopia ist mir egal, wobei der Hype schon ein wenig nervt. Es kann ja nicht sein, das alle sechs Monate ein neuer Animationsfilm von Disney/Pixar kommt und jeder davon die Erleuchtung des Genres ist.

    1. Johannes sagt:

      Deine kleine Antipathie gegenüber Brie Larson kann ich nachvollziehen. Ihr Schauspiel wirkt für mich manchmal etwas stark gewollt – anstatt natürlich. In diesem Film (und auch in Short Term 12) überzeugte sie mich trotzdem!

      Na gut, mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir, dass du dann den nächsten Dörrie-Film sehen musst und wir ihn uns dafür ersparen dürfen! Kannst dann ja mal berichten. :)

  3. Paranoyer sagt:

    Schon interessant, wie die Szene in ZOOMANIA, in der das aggressive Verhalten der (ehemaligen) Raubtiere mit ihrer „unumstößlichen“ Genetik erklärt wird, immer wieder als Negation der Toleranzaussage herangezogen wird – auch in diesem Podcast. Dabei straft der Film selbst solche Aussagen ziemlich schnell als gefährlichen Blödsinn ab. Der Verweis auf rassistisch-biologistische Argumentationsmuster in der „wirklichen Welt“ wird so einfach dem Film zum Vorwurf gemacht, obwohl er sich dagegen stemmt (schon allein, weil man nicht den Fehler machen sollte, die Tiere in ZOOMANIA nur als anthropomorphe Entsprechungen unserer Fauna zu sehen – auch hier wird klar gemacht, dass sie durch einen Evolutionsprozess von ihren „Vorbildern“ so weit entfernt sind wie der Homo sapiens von seinen Frühformen). Bisher ist mir noch keine Kritik an der Substanz des Films untergekommen, die ZOOMANIA nicht selbst entkräften würde. Generell fällt auf, dass man Animationsfilmen wohl weniger Aufmerksamkeit zudenkt als „echten“ Filmen, aber das ist eine Diskussion für sich.

    D’accord gehe ich mit der Musiknummer am Ende, die zum Glück eher ein Abspann denn ein eigentliches Ende ist (dieses sehe ich mit dem erneuten Auftritts des Faultieres Flash als abgehandelt an). 😉

    1. Johannes sagt:

      Ich habe den Film noch nicht gesehen und wir haben uns in der Folge ja leider nicht die Zeit genommen, den Film ausführlicher zu diskutieren aber wenn ich mich recht erinnere, stellt Lucas B. mit seiner Interpretation der Metapher am Ende der Diskussion nochmal klar, dass der Film sich gegen den Determinismus von Genetik und für Selbstbestimmung und Toleranz ausspricht.

      Generell würde ich auch nicht sagen, dass wir mit Animationsfilmen härter ins Gericht gehen. Lucas B. ist zum Beispiel ein Riesenfan der Produktionen des Studio Ghibli. Aber um das besser beurteilen zu können, könntest du (wenn du dazu Lust hast) nochmal in unsere Folgen zu „Inside Out“ (Folge 20 mit vier sehr konträren Meinungen) oder „Anomalisa“ (Folge 30) reinhören.

      1. Paranoyer sagt:

        Danke, werde ich beizeiten tun.

        Die mangelnde Sorgfalt bei der Rezeptzion von animierten Spielfilmen war auch gar nicht so sehr auf diese Diskussion geeicht, sorry. Ist eher eine allgemeine Beobachtung, vor allem, wenn da Filme „analysiert“ werden, nur um an anderer Stelle erwachsene Zuschauer von Animationsfilmen generell in die Ecke der Infantilität zu stellen (nochmals, glücklicherweise nicht bei „Longtake“). Wie gesagt, eine Diskussion für sich. :-)

    2. Ich habe ja sogar in der Diskussion gesagt, dass der Film genau diese Argumentationsmuster entkräftet, nur wenige Sätze später. Ich sehe dort definitiv keine Negation der Grundaussage.

      Würde ich dem Film bezüglich seiner „Message“ etwas vorwerfen, dann, dass er mit seiner Grundmetapher (die Tierwelt als Spiegelbild unserer Gesellschaft) oftmals sehr spezifisch wird und dennoch insgesamt sehr vage bleibt. Mal stehen bestimmte Tiere für einen konkreten Stereotyp (die angesprochenen Schafe oder die Niedlich-Diskussion), mal wird in breiteren Kategorien wie „Minderheiten“ oder „Vorurteile“ gedacht. Für mich passt das nicht zusammen. Entweder man erlangt durch eine besondere Spezifität eine universelle Aussagekraft oder kreiert eine schlichte, elegante Parabel. Beides zusammen führt oft dazu, dass Botschaften etwas sehr Diffuses bekommen.

      Die Message ist definitiv gut, schön und richtig, vor allem, weil im Film ja ein echter Diskurs stattfindet. Die Kritik an der Ideologie des Films ist schon in ihm enthalten und wird in Teilen beantwortet. Auch vermeintliche Bösewichte (der Bully-Fuchs vom Anfang) werden sehr empathisch behandelt, selbst unsere Protagonistin kann von der „Opfer“- in die „Täter“-Rolle schlüpfen. Das hat mir gefallen. Für mich bleiben beim näheren Betrachten leider überwiegend sehr simple Aussagen. Ich mochte „Zoomania“, nur nicht im selben Maße wie du.

      Dass „Zoomania“ im Podcast nur kurz besprochen wurde, war dem Umstand geschuldet, dass Joko den Film nicht gesehen hatte und die Hörer lieber eine Kritik zu „Grüße aus Fukushima“ hören wollten. Ich habe ja sogar gesagt, dass man die eigentliche Botschaft sehr ausführlich diskutieren könnte. Wir bewerten Animationsfilme nicht schlechter oder schreiben ihnen weniger Wert zu. Ich glaube auch die Anzahl der Kritiker, welche die Kategorien Animations- und Kinderfilme nicht sinnvoll trennen, ist heute nur noch verschwindend gering.

      Darüber hinaus möchte ich anmerken, dass manche Animationsfilme auch unkritische Liebe bei ihren Fans erzeugen – gerade, wenn Emotionen im Spiel sind wie bei „Inside Out“. Wer nicht im gleichen Maße emotional berührt ist und sich dann etwas „kopflastiger“ mit dem jeweiligen Film beschäftigt, bekommt oft Zuschreibungen wie „herzlos“ an den Kopf geworfen.

      Ansonsten: Vielen Dank für dein Feedback.

      1. Oh, hatte deine neue Antwort noch nicht gesehen. Okay, wenn der Vorwurf gar nicht unbedingt uns galt, umso besser :-).

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